Mehr Patienten durch US-Bluthochdruck-Leitlinien

Neue US-Bluthochdruck-Leitlinien: Sind Millionen Bundesbürger kränker?

Rund jeder dritte Bundesbürger leidet in Deutschland an Bluthochdruck. Diese Zahl könnte sich jetzt noch deutlich erhöhen, denn zumindest die neuen US-Bluthochdruck-Leitlinien haben den Blutdruckwert, ab dem von Bluthochdruck gesprochen wird, gesenkt. Wir möchten uns daher näher mit dem Thema Bluthochdruck beschäftigen und natürlich insbesondere darauf eingehen, welche neuen Grenzwerte nach den US-Bluthochdruck-Leitlinien gelten, was dies für die Praxis bedeutet und ob diese neuen Werte zukünftig auch in Deutschland gelten werden.

Bisherige Situation beim Bluthochdruck

Bis dato ist die Situation in Deutschland so, dass offiziell rund ein Drittel der Bevölkerung einen zu hohen Blutdruck hat. Dies sind immerhin über 20 Millionen Bundesbürger, die an einer sogenannten Hypertonie leiden. Oftmals können die Ursachen für den Bluthochdruck nicht gefunden werden, sodass lediglich – meistens mit Tabletten – die Symptome behandelt werden. Nach wie vor gilt Bluthochdruck vor allem als erheblicher Risikofaktor für einige schwere Erkrankungen, insbesondere:

  • Schlaganfall
  • Arterienverkalkung
  • Herzinfarkt
  • Herz-und Kreislaufprobleme

Schon allein aufgrund dieser schweren möglichen Folgeerkrankungen ist es wichtig, einen tatsächlich zu hohen Blutdruck gut zu behandeln. Dazu muss man allerdings wissen, wo die Grenzwerte liegen und ab welchen Werten eine Behandlung überhaupt sinnvoll ist.

Der systolische und diastolische Blutdruckwert

Wenn Sie sich schon einmal näher mit dem Thema Blutdruck beschäftigt haben, werden Sie vielleicht wissen, dass es bei der Messung zwei zu beachtende Werte gibt. Es handelt sich dabei zum einen um den systolische und zum anderen um den diastolischen Wert. Der systolische Wert sagt etwas darüber aus, mit welchem maximalen Druck das Blut durch die Adern gepumpt wird. Der diastolische Wert gibt hingegen an, wie niedrige der Druck in der Entspannungsphase ist. Aus diesen zwei Werten ergibt sich der Blutdruck, den so jeder Arzt misst und Sie übrigens mit dem entsprechenden Blutdruckmessgerät auch gut Zuhause ermitteln können.

Mehr Patienten durch US-Bluthochdruck-Leitlinien
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Die bisherigen Grenzwerte

Bisher war es so, dass ein guter bzw. normaler Blutdruck dann vorhanden war, wenn die gemessenen Werte maximal 139:89 betrugen. Dabei ist 139 als Grenze der systolische Wert, während die Grenze beim diastolischen Wert bisher bei 89 lag. Wer also beispielsweise einen Blutdruck von 134:87 hatte, galt in dem Sinne als gesund und nicht als Bluthochdruck Patient.

Die neuen Grenzwerte in den Vereinigten Staaten

Auf Grundlage der neuen US-Bluthochdruck-Leitlinien haben sich die Grenzwerte für den Bluthochdruck in den Vereinigten Staaten jetzt reduziert, und zwar deutlich. So legten die US-Kardiologen in ihren Hypertonieleitlinien fest, dass die Grenze für einen normalen und gesunden Blutdruck von bisher unter 140:90 auf unter 130:80 reduziert wird. Wer also aktuell einen Blutdruck von 130:80 oder darüber hinaus hat, würde nun nach diesen neuen US-Bluthochdruck-Richtlinien als Bluthochdruck-Patient gelten. Dies hat zur Folge, dass zumindest bei den US-Bürgern zukünftig bereits dann eine Therapie erfolgen dürfte, wenn die Werte oberhalb von 130:80 liegen. Experten schätzen, dass dadurch allein in den Vereinigten Staaten mehr als 20 Millionen Bürger mehr als bisher von einem zu hohen Blutdruck betroffen sein werden.

Kardiovaskuläre Komplikationen schon ab 130 mmHg vorhanden

Die wesentliche Begründung der US-Kardiologen, welche die neuen US-Bluthochdruck-Leitlinien festlegten, die Grenze von 140:90 auf 130:80 zu senken, besteht darin, dass bereits bei Blutdruckwerten zwischen 130 und 139 eine deutliche Zunahme sogenannter kardiovaskulärer Komplikationen vorliegen würde. Dies würde aber nicht automatisch bedeuten, dass jetzt alle Patienten, deren Blutdruck zwischen 130 und 139 liegt, zwingend automatisch mit Medikamenten behandelt werden müssen. Vielmehr gilt es gerade bei den bisher als noch normal geltenden Werten zwischen 130 und 139, dass man auch auf andere Art und Weise aktiv mit der Behandlung werden könnte. Damit sind insbesondere die folgenden Maßnahmen gemeint:

  • Ernährung umstellen, beispielsweise Salz reduzieren
  • Mehr Bewegung / Sport
  • Weitere Risikofaktoren vermeiden, beispielsweise Rauchen

Keine Änderung für Personen mit aktuell bereits zu hohem Blutdruck

Betrachten wir uns nun einmal genau, was sich durch die neuen US-Bluthochdruck-Leitlinien auch für Patienten in Deutschland ändern könnte. Experten gehen nämlich davon aus, dass im Frühjahr kommenden Jahres auch innerhalb der EU die Grenzwerte angepasst werden. Offen ist allerdings, ob möglicherweise eine Art Zwischenwert genommen wird, der zum Beispiel bei 135:85 als Grenzlinie liegen könne, oder ob sich die Europäische Union den US-Bluthochdruck-Richtlinien anpasst und ebenfalls den Grenzwert für normalen Blutdruck auf unter 130:80 senkt. Davon unabhängig sind es insbesondere diejenigen Patienten, die bereits jetzt in Deutschland offiziell an Bluthochdruck leiden, für die sich nichts ändern wird.

Dies trifft für alle Personen zu, die einen Blutdruck von 140:90 und darüber hinaus haben. Bei diesen Patienten ist es nämlich jetzt schon so, dass diese in aller Regel medikamentös behandelt werden, falls die zuvor genannten Maßnahmen nicht ausreichen, um den Blutdruck auf ein gesundes Maß zu senken. Diese medikamentöse Behandlung wird es auch zukünftig auf Grundlage der neuen US-Bluthochdruck-Richtlinien geben. Anders stellt sich die Situation natürlich für Menschen dar, die bisher einen Bluthochdruck Blutdruck zwischen 130:80 und 140:90 haben.

Was ändert sich für bisher Blutdruckgesunde?

In erster Linie sind es also Personen mit Blutdruckwerten zwischen 130:80 und 139:89, bei denen sich aufgrund der neuen US-Bluthochdruck-Leitlinien jetzt etwas ändern könnte. Laut Definition würden diese Menschen aktuell in den Vereinigten Staaten an Hypertonie leiden, während sie in Deutschland immer noch als „normal“ gelten. Man spricht in dem Zusammenhang auch von einem hochnormalen Blutdruck. Was unbestritten ist: Auf jeden Fall kann es helfen und keineswegs schaden, wenn man bei diesen Zwischenwerten gezielt auf eine gesunde, vor allem salzarme, Ernährung achtet und sich ausreichend bewegt. Experten gehen sogar davon aus, dass diese Empfehlungen selbst dann weiterhin gelten, falls die Grenzwerte auch in Deutschland auf 130:80 gesenkt werden sollten. Nur wenige Fachleute nehmen hingegen an, dass zukünftig bereits bei einem Blutdruck von 130:80 eine medikamentöse Therapie einsetzen wird.

Neue Einteilung der Blutdruckwerte

Einmal angenommen, die neuen Grenzwerte für den Blutdruck, die sich aus den US-Bluthochdruck-Leitlinien ergeben, würden auch in Deutschland zukünftig gelten, ergibt sich daraus die folgende neue Klassifizierung der Werte:

  • Unter 120 zu 80: Normal
  • Zwischen 120 und 129 (diastolische Werte unter 80): hochnormal
  • Ab 130:80: Bluthochdruck Stadium I
  • Ab 140 (diastolischer Wert ab 90): Bluthochdruck Stadium II

Spezialisten in Deutschland sprechen sich für Mittelwerte aus

Nachdem die neuen US-Bluthochdruck-Leitlinien gelten, stellt sich hierzulande natürlich die Frage, ob es zukünftig auch in Deutschland quasi durch Absenkung der Grenzwerte automatisch mehrere Millionen Bundesbürger mehr geben wird, die offiziell an Bluthochdruck leiden. Tatsächlich ist es bisher so, dass die meisten Experten hierzulande für eine Art Mittelweg sind und die Grenzwerte etwas moderater ansetzen möchten. So sprechen sich diverse Fachleute beispielsweise für einen Grenzwert von 135:85 aus. Hinzu kommt die Tatsache, dass selbst in den Vereinigten Staaten – trotz deutlicher Senkung der Grenzwerte – eine medikamentöse Behandlung des Bluthochdrucks nach wie vor erst dann bereits ab 130:80 empfohlen wird, falls Vorerkrankungen am Herz vorliegen oder der Patient in der Vergangenheit bereits einen Schlaganfall hatte.

Was also die Abhängigkeit der medikamentösen Behandlung von den Bluthochdruckgrenzwerten angeht, wird sich vermutlich zukünftig kaum etwas ändern. Trotzdem befürchten manche Fachleute, dass die Patienten, die bisher einen Blutdruck zwischen 130:80 und 140:90 hatten, und demzufolge zukünftig als Hypertonie-Patienten gelten könnten, Nachteile haben könnten. Immerhin würde man beispielsweise bei einem Blutdruck von 136:87 dann zukünftig als erkrankt gelten, sodass sich dies möglicherweise negativ auf die Krankenversicherungsbeiträge auswirken könnte. Davon betroffen wären natürlich – wenn – nur privat Krankenversicherte, denn beim Beitrag der zur gesetzlichen Krankenversicherung spielen vorhandene Erkrankungen keine Rolle.

Fazit zu den neuen US-Bluthochdruck-Leitlinien

Die neuen US-Bluthochdruck-Leitlinien müssen erst einmal verdaut werden, denn demnach wären in Deutschland schätzungsweise mindestens fünf bis zehn Millionen Menschen mehr von Bluthochdruck betroffen als bisher. Allerdings müssen die Bundesbürger jetzt nicht befürchten, dass sie bereits bei einem Blutdruck zwischen 130 und 139 sofort mit Medikamenten behandelt werden. Vielmehr gilt es, ein noch größeres Augenmerk auf diese bisherigen „Zwischenwerte“ zu legen und durch geeignete Maßnahmen, wie zum Beispiel gesunde Ernährung und viel Bewegung, den Blutdruck vielleicht auf natürliche Weise wieder zu senken, sodass er auch nach den neuen US-Bluthochdruck-Richtlinien im Normalbereich liegt.

Bildquelle: #128579102 – © Bits and Splits – Fotolia.com

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