Aktuelle Studie: Defizite durch zu langes Sitzen lassen sich ausgleichen

Der Mensch ist eigentlich ein Dauerläufer. Während Raubtiere wie der Gepard ihre Beute innerhalb weniger Sekunden mithilfe eines Sprints reißen, hetzt der Mensch seine Beute in einer stundenlangen Treibjagd zu Tode – jedenfalls war das vor einigen tausend Jahren noch der Fall. Auf Sprints ist der menschliche Körper nicht ausgelegt – er dient allerhöchstens zur Flucht.

Umso verheerender ist es, dass immer mehr Menschen ihren Arbeitstag vollständig sitzend verbringen. Nicht wenige Menschen sitzen täglich zwischen acht und zehn Stunden auf ihrem Allerwertesten. Hinzu kommen natürlich noch die Freizeitaktivitäten, die meist auch auf der Couch stattfinden.

Eines weiß man heute mit Sicherheit: Zu langes Sitzen ist ungesund. Es erhöht insbesondere das Risiko für verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch es gibt einen Lichtblick: Eine norwegische Studie hat vor kurzem gezeigt, dass die gesundheitlichen Defizite, die durch zu langes Sitzen verursacht werden, durch tägliche Bewegung ausgeglichen werden können.

Über die norwegische Studie

Die Kernaussage der Studie lautet: Wenn man sich mindestens eine Stunde lang am Tag bewegt, können gesundheitliche Defizite durch einen achtstündigen Arbeitstag, der überwiegend im Sitzen verbracht wurde, aufgehoben werden.

Dabei spielt es keine Rolle, welche Art von Bewegung man durchführt. Besonders empfehlenswert sind allerdings moderate Ausdauersportarten, die auch unsportliche Menschen nicht überfordern. Beispiele hierfür sind Radfahren, Walken, Joggen oder auch rasches Spazierengehen. Schwimmen und Nordic Walking sind ebenfalls interessante Alternativen.

Durchgeführt wurde die Studie von dem Forscherteam rund um Ulf Ekelund, der an der Norwegian School of Sport Sciences tätig ist. Veröffentlicht wurde die Studie in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet.

Datenerhebung und Durchführung

Ulf Ekelund und seine Kollegen haben für ihre Studie die Daten von insgesamt einer Million Menschen genutzt, die sich aus 16 verschiedenen Untersuchungen zusammengesetzt haben. Dementsprechend handelt es sich hierbei also um eine zusammenfassende Meta-Studie.

Die Menschen, die hinter dieser großen Menge an Daten stehen, wurden zunächst einmal in vier verschiedene Bewegungsgruppen unterteilt. Die Grenzen zwischen den einzelnen Gruppen wurden so gewählt, dass jede Gruppe rund 25 Prozent der Gesamtanzahl ausgemacht hat. Die vier Bewegungsgruppen sind wie folgt aus:

  1. Menschen, die sich maximal fünf Minuten am Tag bewegen.
  2. Menschen, die sich mehr als eine Stunde am Tag bewegen.
  3. Zwei weitere Gruppen, die die Lücke zwischen den beiden Extrembeispielen ausgefüllt haben.

Bei der Studie war allerdings nicht nur das tägliche Bewegungspensum wichtig, sondern auch die Zeit, die die jeweiligen Personen sitzend verbracht haben. Auch hier wurden die Studienteilnehmer in verschiedene Gruppen unterteilt: Vom Kaumsitzer (bis zu vier Stunden am Tag) bis zum Vielsitzer (mehr als acht Stunden am Tag).

Von den eine Million Versuchsteilnehmern starben insgesamt 80.000 zwischen zwei und 18 Jahren während der Zeit der Datenerhebung.

Einfluss von Sitzen und Bewegung auf das Sterberisiko

Wie wir bereits zu Beginn dieses Artikels erwähnt haben, begünstigt zu langes Sitzen die Entstehung von zahlreichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Verschiedene Studien aus der Vergangenheit haben zu den folgenden Erkenntnissen geführt:

  • Je länger man täglich sitzt, desto höher ist das Risiko frühzeitig zu sterben.
  • Je mehr man sich bewegt, desto länger lebt man.

Laut der norwegischen Studie haben Menschen, die am wenigsten sitzen und den meisten Sport treiben ein um bis zu 59 Prozent geringeres Sterberisiko. Als Vergleichsgruppe dient dabei die Gruppe, die am meisten sitzt und am wenigsten Sport treibt.

Besonders alarmierend: Übergewicht und Rauchen weisen ähnliche Risiken auf. Viel Sitzen und wenig Bewegung wirken sich auf die Gesundheit also so aus, als wäre man stark übergewichtig oder würde sehr Zigaretten am Tag rauchen.

Gesundheitliche Neutralisierung von zu langem Sitzen möglich?

Die interessanteste Aussage, die sich aus der norwegischen Studie ableiten lässt, ist die, dass Menschen, die sich täglich zwischen 60 und 75 Minuten lang bewegen, scheinbar keine negativen Effekte von zu langem Sitzen zu befürchten haben. Ganz gleich, ob man wenig oder viel sitzt: Das Sterberisiko bleibt bei einem solch hohen Bewegungspensum gleich.

Diese Aussage lässt insbesondere Bürohengste aufatmen: Gesund ist zu langes Sitzen zwar immer noch nicht, es lässt sich jedoch ausgleichen, wenn man sich täglich mindestens eine Stunde lang bewegt. Grundsätzlich gilt: Je mehr man sich bewegt, desto besser!

Mehr Bewegung im Alltag

Ein gesondertes Sportprogramm ist natürlich löblich, allerdings kann man ein Mehr an Bewegung bereits durch simple Alltagstricks bewerkstelligen.

So empfiehlt es sich beispielsweise, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu radeln. Ansonsten sollte man immer dann zu Fuß gehen, wenn es sich gerade anbietet. Auch ein Spaziergang während der Mittagspause liegt im Rahmen des Möglichen.

Ansonsten sollten Sie Ihr Sportprogramm wahlweise vor oder nach der Arbeit durchziehen. Ihr Herz-Kreislauf-System wird es Ihnen danken!

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