Abgasskandal: So viele Menschen sterben durch Abgase von Dieselautos

Abgasskandal: So viele Menschen sterben durch Abgase von DieselautosForscher aus Washington haben errechnet, dass im Jahr 2015 insgesamt 38.000 Menschen aufgrund von nicht eingehaltenen Abgasgrenzwerten ihr Leben lassen mussten – 11.400 Todesfälle stammen dabei direkt aus der EU. Die Studie bezog sich ausschließlich auf Dieselfahrzeuge. Die errechnete Gesamtanzahl der Toten durch Stickoxide lag im Jahr 2015 bei 107.600.

Durchgeführt wurde die Studie von dem Forscherteam rund um Susan Anenberg von Environmental Health Analytics (LLC) in Washington. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift „Nature„, was bereits für die Wichtigkeit dieser Angelegenheit spricht.

Was Stickoxide überhaupt sind, wie die Studie genau durchgeführt wurde, welche Ergebnisse sie zu Tage gefördert hat und wie die Meinung anderer Experten zu diesem Thema aussieht, erfahren Sie im folgenden Artikel. 

Was sind Stickoxide überhaupt?

Der Begriff „Stickoxide“ ist eine Sammelbezeichnung für alle gasförmigen Oxide des Stickstoffs. Grundsätzlich handelt es sich bei Stickoxiden um Vorläuferstoffe des gefährlichen Ozons. In Kombination mit Sonneneinstrahlung werden Stickoxide nämlich in Ozon umgewandelt – das erklärt auch, warum Ozon insbesondere an heißen Sommertagen zum Problem werden kann und es in einigen Gegenden spezielle Ozon-Wetterberichte gibt.

Stickoxide spielen nicht nur beim Thema Ozon eine wichtige Rolle, sondern zählen – neben Stickstoffmonoxid und Stickstoffoxid – auch zur Feinstaubbelastung.

Stickoxide führen zu einer Reizung der Schleimhäute, was vor allem die Atemwege und die Augen stark treffen kann. Die Folgen sind dabei Hustenanfälle und Atembeschwerden, die vor allem für Asthmatiker fatal sein können. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird durch Stickoxide erhöht – es drohen Schlaganfälle und Herzinfarkte.

Wie lief die Studie ab und welche Ergebnisse förderte sie zu Tage?

Der Abgasskandal um den Autohersteller Volkswagen aus Wolfsburg brachte vor rund zwei Jahren den Stein ins Rollen. Man fand damals heraus, dass Dieselfahrzeuge um ein Vielfaches mehr Abgase von sich geben, als sie eigentlich sollten und dürfen. Die Messungen im Straßenverkehr haben dieses Bild bestätigt.

Die Studie aus Washington bediente sich sowohl bei Messwerten aus dem aktiven Straßenverkehr, als auch bei etablierten Modellen zur Ausbreitung von Schadstoffen. Die Menge an Abgasen, die über den Grenzwerten lag, wurde auf diese Weise gemessen und anschließend berechnet.

Insgesamt wurden im Laufe der Studie die elf größten Automärkte weltweit untersucht. Auf diesen Automärkten werden rund 80 Prozent aller Dieselfahrzeuge verkauft. Dabei handelte es sich konkret um Australien, Brasilien, Japan, China, Indien, die EU, Kanada, Mexiko, Russland, Südkorea und die USA.

Besonders erschreckend ist hierbei die Tatsache, dass 90 Prozent der zusätzlich abgegebenen Abgase über die festgelegten Grenzwerte hinweg in Brasilien, China, der EU, Indien und den USA produziert werden. Rund 70 Prozent dieser Belastung ist auf Busse und Lastkraftwagen zurückzuführen – also auf den Schwerlastverkehr. Privatfahrzeuge spielen dabei keine so große Rolle. Doch dazu im nächsten Abschnitt mehr.

Die Europäische Union stellt einen Sonderfall dar

Einen Sonderfall in der Studien-Statistik stellt die Europäische Union dar. Innerhalb der EU gibt es im Vergleich zum Rest der Welt weitaus mehr privat verwendete Diesel-PKW. Hier machen rund 60 Prozent der Privatfahrzeuge den Mehrausstoß an Abgasen aus.

Der Deutsche Bundestag sieht die Sache allerdings völlig anders: Im Abschlussbericht über den Abgasskandal sprechen die Experten des Bundestages davon, dass ein Zusammenhang zwischen Todesfällen und Abgasen nie erwiesen wurde.

Wir dürfen in Zukunft gespannt sein, ob – und vor allem wann – Dieselfahrzeuge tatsächlich verboten werden. Unserer Meinung nach kann es sich dabei nur noch um eine Frage der Zeit handeln, da sich die Schlinge – aufgrund von Studien wie dieser – immer enger zieht.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag von Spiegel Online.

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