Was sind soziale Phobien?

Viele Menschen leiden stumm darunter, ohne dass es bemerkt wird: Soziale Phobien. Dies kann sich auf den Alltag und das gesamte Leben auswirken, da die Betroffenen sich abschotten, ohne Hilfe zu suchen. Abhängig von der Störung und der Schwere wird ein Arzt eine angemessene Behandlung empfehlen. Dabei wird meistens auf eine Kombination von Medikamenten und Beratung gesetzt.  

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Bekannte soziale Phobien:
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    Autor:
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    Thomas Meiser

    Medizinjournalist aus Frankfurt

    Was gibt es für soziale Phobien?

    Unter einer Sozialen Phobie versteht man die Angst, durch gewisse Umstände unangenehm aufzufallen.

    Die ständige Unsicherheit über das eigene Verhalten und der Kontakt mit Menschen führt oft zu Angstsymptomen, wie ein plötzliches Erröten oder Schweißausbrüche.

    Die Betroffenen versuchen nicht aufzufallen, erregen auf diese Weise jedoch oft umso mehr Aufmerksamkeit. So verstummen sie, wenn sie angesprochen werden, wagen sich nicht auf öffentliche Toiletten, drehen sich weg beim Essen oder nehmen eine zusammengekrümmte Körperhaltung ein, um klein zu erscheinen.

    Langfristig führt es dazu, dass sich die Betroffenen zurückziehen, den Kontakt zu anderen Menschen vermeiden und sich nicht mehr hinaus wagen. Sie gehen nicht aus, sagen Einladungen ab und vermeiden neue Bekanntschaften. Dies wirkt sich auf viele weitere Lebensbereich aus. So werden sie vielleicht nie einen Partner finden und keine Familie aufbauen. Im Beruf lassen sie sich Aufstiegschance oder einen Jobwechsel entgehen, um den Kontakt zu Fremden zu vermeiden.

    In Extremfällen kann eine Soziale Phobie in der absoluten Selbstisolation enden, wobei die Betroffenen nicht einmal mehr fähig sind, einen Job auszuüben, in denen sie kommunizieren müssen.

    Wie zeigt sich eine soziale Phobie?

    Viele Betroffne von soziale Phobien erkennen ihre Symptome nicht richtig. Daher wird diese Krankheit oftmals nicht behandelt. Die folgende Beschreibung der Symptome hilft, eine Soziale Phobie bei sich oder anderen zu erkennen.

    Ein ganz klares Anzeichen ist das Vermeiden der Öffentlichkeit. Darunter zählt alles vom Essengehen, über das Reden in einer Gruppe oder der Teilnahme an Partys. Wenn dies ständig abgelehnt wird, kann es auf eine Angststörung hindeuten.

    Körperliche Symptome bei Betroffenen sind: Erröten, Zittern, Schweißausbrüche, Übelkeit und ein verstärkter Harndrang. Die Betroffenen werden diese Symptome nicht einfach überspielen oder einen Witz machen, sondern panisch versuchen, unscheinbar zu wirken.

    Oft ist den Betroffenen bewusst, dass die Angst unbegründet ist. Dies hilft ihnen jedoch nicht, ein Vermeidungsverhalten zu zeigen. Wer selber diese Anzeichen an sich bemerkt, sollte wissen, dass die Angst aus einem psychologischen Defekt resultiert, der geheilt werden kann.

    Was sind die auslöser von sozialen Phobien?

    Die Umwelt bestimmt einen Großteil der zukünftigen Verhaltensmuster. Das Erbgut spielt in Bezug auf Soziale Phobien eher eine untergeordnete Rolle.

    Insbesondere in der Kindheit gibt es viele Faktoren, die zukünftige Angststörungen auslösen können. Kinder, die von klein auf sehr gehemmt sind und nie aus sich herauskommen, tragen dieses Verhalten oft weiter mit sich und sind auch später gehemmt in der Öffentlichkeit. Es kann entstehen, wenn die Eltern selbst keine sehr extrovertierten Menschen sind und dies auf ihre Kinder übertragen.

    Hinzu kommt, dass gehemmte Kinder oft Opfer von Mobbing werden, da sie ein leichtes Ziel abgeben. Die ständigen Hänseleien, sowie die Kritik an ihrem Verhalten und Aussehen können schlimme Folgen an der Psyche hinterlassen. Meist bleibt das unterbewusste Gefühl bestehen, dass man negativ aufgefallen ist und es gibt keinerlei positive Assoziationen mit der Öffentlichkeit.

    Häufig leiden jene Menschen unter einer Sozialen Phobie, die zu negativen Gedanken neigen. Dieser Pessimismus wird auf die eigene Person übertragen und resultiert in Selbstkritik. Die eigene Unzulänglichkeit projizieren sie auf ihre Umwelt. So sehen sie kritische Blicke und abwertende Meinungen, wo eigentlich keine vorhanden sind.

    Untersuchung und Diagnose

    Bemerken Menschen an sich selbst oder an anderen Anzeichen einer Sozialen Phobie sollte schnellstmöglich ein Arzt oder Psychologe aufgesucht werden, um zurück in einen normalen Alltag zu finden.

    Der Spezialist wird zunächst diagnostizieren, ob tatsächlich eine etablierte Soziale Phobie vorhanden ist. Dies wird anhand eines Selbsturteils und eines Fremdurteils vonstattengehen. Während der Patient sich selber einschätzen muss, stellt der Arzt Fragen für seine Einschätzungen. Diese Fragen betreffen das Verhalten des Patienten in der Öffentlichkeit, sowie seine körperlichen Reaktionen in gewissen Situationen.

    Wird eine Soziale Phobie festgestellt, kann sie mithilfe einer Psychotherapie und Medikamenten behandelt werden.

    Wie wird eine soziale Phobie behandelt?

    Ein Teil der Behandlung ist medikamentös und auf Hormone im Körper gerichtet, insbesondere auf Serotonin und Noradrenalin.

    Die Medikamente sorgen dafür, dass diese Hormone länger wirken und dem Patienten auf diese Weise mehr positive Gedanken und Glücksgefühle bescheren. Zu diesem Zweck muss die Medikamentenbehandlung über mindestens zwei Wochen durchgehalten werden, da sie einige Zeit brauchen, um ihre Wirkung zu entfalten.

    Daraufhin gibt es den psychologischen Ansatz der kognitiven Umstrukturierung. Im Grunde genommen versteht man darunter, negative Gedanken erkennen und zu verändern, im besten Falle sogar in positive Gedanken zu wandeln. Viele Betroffene sind sich ihrer ständigen selbstkritischen Gedanken gar nicht bewusst und können sie deshalb nicht ändern. Der Therapeut setzt dort an, legt Aufmerksamkeit auf die Selbstwahrnehmung des Patienten und versucht ihn, zu realistischeren Gedanken umzuprogrammieren.

    So, wie bei vielen anderen Phobien, hilft auch bei der Sozialen Phobie die Konfrontation. Bei dieser Behandlungsmethode soll sich der Patient öffentlichen Situationen stellen, die er normalerweise fürchtet oder vermeidet. Das soll dazu führen, dass der Patient im Nachhinein realisiert, dass seine Angst unbegründet war. Wenn niemand ihm nach einem öffentlichen Auftritt Kritik zeigt oder ihn belächelt, kann der Patient lernen, dass sein Verhalten nicht seltsam oder peinlich ist.

    Zuletzt hilft ebenfalls die Psychodynamische Psychotherapie. Sie setzt an der Ursache der Angststörung an und versucht, ungelöste Konflikte zu lösen. So können Depressionen oder negative Gedanken wegen dem Mobbing in der Schulzeit oder wegen einer konfliktvollen Beziehung gelöst und aufgeräumt werden. Wenn diese unterbewussten Störungen beseitigt sind, erleben viele Patienten Glücksgefühle und verlieren ihre Angst vor der Öffentlichkeit.

    Medikamente gegen Situationsangst & Soziale Phobien:

    Erkrankung anerkennen & Hilfe nehmen

    Die Soziale Phobie ist eine psychische Erkrankung, die heutzutage viel zu viel vermieden und der viel zu wenig Ernsthaftigkeit geschenkt wird.

    Doch auf lange Sicht gesehen, kann sie schwere, negative Folgen für die Psyche und das Leben der Betroffenen haben. Daher sollten sich alle Betroffenen so schnell wie möglich Hilfe suchen, denn sie müssen nicht unter dieser Angst leiden.

    Das Umfeld wiederum kann einen wichtigen Teil dazu beitragen, diesen Menschen zu helfen, indem sie sie Ernst nehmen und ihre Ängste nicht weiter beeinflussen