Genom-Analyse: So gelangte das HI-Virus in die Vereinigten Staaten

Neue Immuntherapie gegen HIV mit vielversprechenden Ergebnissen

Eine US-amerikanische Studie macht Hoffnung im Kampf gegen HIV und AIDS: Wissenschaftler haben es geschafft, das HI-Virus mit einem bestimmten Antikörper über einen Zeitraum von circa zehn Wochen hinweg in Schach zu halten. Dies könnte Tür und Tor für neue Immuntherapien öffnen.

Durchgeführt wurde die Studie an der Rockefeller University in New York. Johannes Scheid, Mitglied der Forschergruppe, teilte seine Ergebnisse vor Kurzem der renommierten Fachzeitschrift Nature mit. Eine Veröffentlichung in Nature spricht bereits für sich: Hier werden normalerweise nur die bahnbrechendsten Studienergebnisse abgedruckt, die in ihrem spezifischen Bereich zukunftsweisend sind.

Wie wird HIV bisher behandelt?

Aktuell wird das HI-Virus normalerweise mit sogenannten antiretroviralen Medikamenten behandelt. Diese sorgen dafür, dass sich das Virus nicht weiter ausbreitet und die Viruslast unter die Nachweisgrenze sinkt. Die HI-Viren verschwinden einige Zeit nach dem Beginn der Therapie also nachweislich aus dem Blutkreislauf des Patienten.

Jedoch: Das Tückische an der Immunkrankheit ist die Tatsache, dass es sowohl aktive, als auch inaktive Formen des Virus gibt. Während die aktiven Viren tatsächlich verschwinden, verbleiben die inaktiven Viren in sogenannten Reservoirs. Sie speisen ihr Erbgut in das Erbgut der Wirtszellen ein, weshalb die Produktion von weiteren Viren jederzeit fortgesetzt werden kann.

Inaktive Viren sind jedoch unsichtbar und können von aktuellen Medikationen nicht erreicht werden. Um einen Patienten jedoch heilen zu können, müssen sämtliche Reservoirs des HI-Virus entfernt werden. Das ist aktuell leider noch nicht möglich.

Neue Hoffnung gibt es nun in Form der neuen Immuntherapie in Form von Antikörpern, die wir Ihnen im Folgenden vorstellen.

Durchführung der Studie & Ergebnisse

Die Studie wurde mit insgesamt 13 HIV-positiven Patienten durchgeführt, die für den Zeitraum der Studie die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten ausgesetzt haben. Stattdessen wurden sie während dieser Zeit mit dem Antikörper 3BNC117 behandelt. Die Patienten erhielten dabei insgesamt vier Infusionen im Abstand von zwei Wochen.

Das Ergebnis: Nach der Behandlung dauerte es zwischen drei und 19 Wochen bis die HI-Viren wieder im Blut nachweisbar waren. Im Durchschnitt waren es zehn Wochen. Erfolgt keine spezifische Behandlung, taucht das HI-Virus normalerweise innerhalb von 2,6 Wochen wieder auf. Hierbei stellt sich die Frage, wieso die Viren so lange gebraucht haben, bis ihre Anwesenheit wieder nachweisbar war.

Tötet der Antikörper Teile der inaktiven HI-Viren ab?

Um diese Frage zu klären, wurde das Erbgut der wiederauftretenden HI-Viren bei insgesamt acht Patienten sequenziert und analysiert, um deren Verwandtschaftsverhältnisse herauszufinden. Alle gefundenen Viren waren sich relativ ähnlich.

Diese Erkenntnis lässt den Schluss zu, dass der Antikörper Teile der inaktiven Viren im Reservoir abtöten könnte und nur bestimmte – nahe verwandte – Virenstämme die Behandlung überstehen. Ein ähnliches Phänomen gibt es bei der alljährlichen Grippewelle im Winter: Während die meisten Stämme auf die Impfung reagieren und sich gar nicht erst ausbreiten können, sind einige Stämme immun und lösen trotz Impfung eine Grippe aus.

Diese Erkenntnisse schüren Hoffnung: Würde man verschiedene solcher Antikörper miteinander kombinieren, dann könnte man das HI-Virus mit etwas Glück komplett aus dem menschlichen Organismus verbannen. Der Patient würde dann als geheilt gelten.

Ob der Antikörper die Größe des Reservoirs jedoch tatsächlich verändert hat, bleibt abzuwarten. Für diese Erkenntnis sind weitere Studien vonnöten.

Fazit: Neue Immuntherapien bringen Hoffnung

Die Studie zeigt, dass antiretrovirale Medikamente nicht die einzige Behandlungsmöglichkeit darstellen müssen. Sie funktionieren zwar und halten die Ausbreitung der Viren zurück, jedoch packt man das Problem nicht bei der Wurzel – Antikörper und Immuntherapien hingegen schon.

Wir dürfen gespannt sein, welche Ergebnisse die nächsten Studien hervorbringen. Wir sind uns jedoch sicher, dass das HI-Virus noch während unserer Lebzeit aus dem menschlichen Körper entfernbar sein wird.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag von Spiegel.de.

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