Asthma-Risiko wird vom Zuckerkonsum in der Schwangerschaft beeinflusst

Asthma gehört nach wie vor zu den Volkskrankheiten, denn alleine in Deutschland sind mehrere Millionen Menschen von dieser Erkrankung betroffen. Von leichten Fällen, die beispielsweise als allergisches Asthma im Zuge einer Allergie auftreten können, bis hin zu schweren Asthmaattacken gestaltet sich das Krankheitsbild sehr vielfältig. Zahlreiche Ursachen für Asthma sind bereits bekannt. Jetzt haben Wissenschaftler herausgefunden, dass es wohl noch eine weitere mögliche Ursache gibt, auf die zumindest allergisch bedingtes Asthma zurückzuführen ist. So wurde festgestellt, dass solche Menschen ein erhöhtes Risiko haben, an allergischem Asthma zu erkranken, bei denen Mütter während der Schwangerschaft in erhöhtem Umfang Zucker konsumiert haben.

Hintergrund: Was ist Asthma und welche Ursachen gibt es?

Vereinfacht ausgedrückt bezeichnet das Asthma die chronische Erkrankung der Bronchien, sodass in der Fachsprache vom „Asthma bronchiale“ gesprochen wird. In aller Regel handelt es sich dabei um regelmäßige bzw. dauerhafte Entzündungen in den mittleren Atemwegen. Häufig leiden Betroffene zusätzlich unter einem Zuschwellen der Atemwege, sodass ein klassisches Symptom bei Asthma darin besteht, das die Atmung erschwert ist. In schweren Fällen leiden die Patienten sogar unter solch massiven Atemproblemen, dass sie zumindest meinen, zu ersticken. Asthma ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass es sich um eine Krankheit handelt, die von sehr leichten und unregelmäßigen Beschwerden bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen reicht. So genannte asthmatische Schübe werden dabei insbesondere durch körperliche Anstrengungen ausgelöst.

Asthma Risiko und Zucker in der Schwangerschaft
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Die meisten Ursachen, die letztendlich zu einem allergischen oder nicht allergischen Asthma führen können, sind der Wissenschaft mittlerweile bekannt. Zu nennen sind hier beispielsweise die folgenden Ursachen:

  • Erbliche Vorbelastung
  • Übergewicht
  • Raucher
  • Auspuffgase
  • Stress
  • Sodbrennen
  • Kalte Luft
  • Infektionen der Atemwege
  • Körperliche Anstrengungen

Neben diesen bereits bekannten Ursachen haben nun Forscher einen weiteren Grund gefunden, warum manche Menschen an Asthma erkranken. Wissenschaftler aus Großbritannien haben nämlich durch eine umfangreiche Studie entdeckt, dass ein besonders hoher Zuckerkonsum während der Schwangerschaft das Risiko der Neugeborenen und späteren Kinder bzw. Erwachsenen erhöht, sowohl an Asthma als auch an Allergien allgemein zu erkranken. Die Frage ist nur noch, wie hoch der Zuckerkonsum sein „muss“, damit ein messbar höheres Risiko besteht.

Langzeitstudie bringt interessante Erkenntnisse

Innerhalb einer Langzeitstudie mit der Bezeichnung „Avon Longitudinal Study of Parents and Children“, die an knapp 9.000 „Paaren“, bestehend aus Müttern und Kindern, durchgeführt wurde, konnten Wissenschaftler jetzt belegen, dass der Zuckerkonsum während der Schwangerschaft durchaus einen Einfluss darauf haben kann, mit welchem Risiko die Kinder belastet sind, Allergien oder allergisches Asthma zu entwickeln. Durchgeführt wurde diese Studie von Wissenschaftlern der Queen Mary University auf London bereits seit den Anfängen der 90er Jahre. Im Verlauf der Studie mussten sämtliche Mütter insbesondere detaillierte Angaben zu ihrem Ernährungsverhalten während der Schwangerschaft machen. Dabei kam es den Wissenschaftlern vor allem darauf an, anhand dieser Fragebögen festzustellen, welchen Umfang sehr zuckerhaltige Speisen hatten, wie zum Beispiel:

  • Schokolade
  • Kuchen
  • Gebäck
  • Fruchtsäfte
  • Softdrinks
  • Nahrungsmittel mit verstecktem Zucker

Die erste Untersuchung an den Kindern wurde dann im Alter von sieben Jahren durchgeführt, wobei die Forscher in dem Zusammenhang insbesondere mögliches Asthma, Allergien, auffällige Atmung oder Hautreaktionen unter die Lupe nahmen. Im Vordergrund standen demnach allergische Anzeichen, die entweder mit oder ohne Asthma zu erkennen waren. Genutzt wurde zu diesem Zweck ein sogenannter Atopie-Patch-Test, bei dem eventuelle Allergene auf den Rücken der Kinder aufgetragen wurden, um die Hautreaktion zu beobachten.

Zusammenhang zwischen Asthma und Zuckerkonsum in der Schwangerschaft belegt

Das wichtigste Ergebnis der durchgeführten Studie war: Es besteht sowohl ein Zusammenhang zwischen dem Risiko, dass Kinder bzw. Erwachsene später an allergischem Asthma erkranken, als auch allgemein an Allergien zu leiden, falls die Mütter während der Schwangerschaft einen erhöhten Zuckerkonsum hatten. Im Detail war das Ergebnis der Untersuchung so, dass der Atopie-Test bei solchen Kindern um 38 Prozent häufiger positiv ausfiel, die 82,4 Gramm Zucker oder mehr konsumiert hatten. Verglichen wurde diese Gruppe von Müttern mit denjenigen, die täglich lediglich 34 Gramm Zucker oder noch weniger zu sich nahmen. Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass das Risiko bei erhöhtem Zuckerkonsum in der Schwangerschaft bezüglich des Asthmas nicht generell für Asthma gilt, sondern lediglich für die Form, die in Verbindung mit Allergien steht. Es ist also ausschließlich das allergische Asthma, bei dem eine Verbindung mit erhöhtem Zuckerkonsum in der Schwangerschaft der Mutter festzustellen ist.

Allerdings stellten die Wissenschaftler auch fest, dass eben bei solchen Müttern, die während der Schwangerschaft einen relativ hohen Zuckerkonsum hatten, das allergische Asthma bei den Kindern rund doppelt so oft auftrat wie bei den Kindern, bei denen die Mütter während der Schwangerschaft einen niedrigen Zuckerkonsum hatten. Nicht untersucht wurde übrigens, wie genau zu erklären ist, wie erhöhter Zuckerkonsum und ein später erhöhtes Risiko, an allergischem Asthma zu erkranken, in Verbindung stehen. Eine Vermutung der Wissenschaftler ist es, dass nicht der Zucker generell die Ursache ist, sondern vor allem die von den Schwangeren aufgenommene Fructose. Eben dieser Fruchtzucker könnte zu verstärkten Immunreaktionen führen, die wiederum auch eine allergische Entzündung der Bronchien nach sich ziehen könnten. Nicht zu verwechseln ist dies mit einer Fructose-Intoleranz, an der nicht wenige Menschen leiden.

Ab welchem Zuckerkonsum wird es gefährlich?

Frauen, die in Kürze schwanger werden oder zumindest für die nahe Zukunft eine Schwangerschaft geplant haben, möchten jetzt natürlich wissen, ab welchem Zuckerkonsum in der Schwangerschaft tatsächlich ein erhöhtes Risiko für ihre Kinder besteht, später an Allergien oder allergischem Asthma zu leiden. Einen echten Grenzwert gibt es in der Form nicht, aber in der Studie wurden diejenigen Mütter in die Gruppe mit dem höchsten Konsum des Zuckers eingeordnet, die pro Tag mindestens 82,4 Gramm Zucker konsumierten. Vor dem Hintergrund, dass die Empfehlung der WHO lautet, täglich nicht mehr als 25 Gramm Zucker aufzunehmen, klingt dieser Wert natürlich sehr hoch, da er das Dreifache der Empfehlung überschreitet. Dennoch relativiert sich die Zufuhr von 82,4 Gramm Zucker oder mehr am Tag, wenn man weiß, dass bereits ein Liter gewöhnliche Cola (nicht zuckerfrei) rund 90 Gramm Zucker enthält. Wer als Mutter also in der Schwangerschaft mindestens ein Liter Cola am Tag konsumiert, trägt bereits dazu bei, dass das Kind später ein erhöhtes Risiko hat, an allergischem Asthma zu erkranken.

Die Cola ist natürlich nur ein Beispiel, denn Ähnliches gilt für sämtliche Softdrinks und natürlich für andere Nahrungsmittel, die einen relativ hohen Zuckergehalt haben. Experten empfehlen Müttern daher, in der Schwangerschaft zunächst einmal möglichst komplett auf zuckerhaltige Softdrinks zu verzichten, sondern auf Getränke wie Wasser oder Tee (kein Früchtetee) zurückzugreifen. Darüber hinaus sollte weitestgehend auf besonders zuckerhaltige Lebensmittel, wie zum Beispiel Kuchen, Gebäck oder Schokolade, verzichtet werden. Auch zahlreiche Fertigprodukte, wie zum Beispiel Tiefkühlpizza, enthalten häufig einen hohen Zuckeranteil, der jedoch leider nicht offensichtlich ist. Das trifft übrigens auf zahlreiche Lebensmittel zu, an die man zunächst einmal nicht denken würde, wenn es um einen hohen Zuckergehalt geht.

Bildquelle: #166953452 – © sarsmis – Fotolia.com

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