Hintergrund
3 von 5
Hinter Voy – oder eben „myVoy“, wie der Anbieter wegen seiner Domain oft genannt wird – steckt mehr Substanz als hinter manch anderem Abnehmspritzen-Anbieter. International gehört die Marke zur britischen Menwell Limited aus London, besser bekannt unter ihrem früheren Namen Manual – einem etablierten Telemedizin-Unternehmen, das in Großbritannien behördlich reguliert ist und nach eigenen Angaben über 100.000 Mitglieder betreut. Die Abnehm-Marke Voy startete 2022, inzwischen wurde sogar die gesamte Manual-Plattform in Voy umbenannt.
Der deutsche Ableger myvoy.de läuft allerdings nicht direkt über die Briten. Laut Impressum ist die Seite ein Portal der FormelSkin Derma GmbH aus Berlin – ja, genau, das bekannte Hautpflege-Startup. Deren Mitgründerin Dr. med. Sarah Bechstein taucht persönlich als Ärztin auf der Voy-Website auf, und selbst die Login-Seite liegt technisch auf der FormelSkin-Domain. Voy Deutschland ist also eine Kooperation aus britischer Marke und deutschem Betreiber. Versendet wird per DHL über eine niederländische Versandapotheke, die Kamille Apotheek B.V. – womit Voy demselben Muster folgt wie praktisch alle modernen Abnehmspritzen-Anbieter, die über holländische Apotheken nach Deutschland liefern.
Die Konstruktion ist legal und nachvollziehbar, aber eben auch verschachtelt. Britische Marke, Berliner Betreiber, niederländische Apotheke – wer im Problemfall eigentlich verantwortlich ist, erschließt sich dem Kunden nicht auf den ersten Blick. Und der deutsche Markt-Auftritt ist noch jung, das Trustpilot-Profil wurde erst Ende 2025 beansprucht. Solide Wurzeln, aber ein frisches und unübersichtliches Konstrukt – dafür gibt es 3 Sterne.
Design und Bedienung
3 von 5
Handwerklich ist die Website ordentlich gemacht – schnell, modern, klar strukturiert, und im Gegensatz zu manchem Konkurrenten ohne peinliche Übersetzungsfehler. Der Einstieg läuft über einen medizinischen Fragebogen samt BMI-Prüfung, die Behandlung wird anschließend von Ärzten geprüft und per Chat begleitet.
Trotzdem arbeitet auch Voy mit dem inzwischen bekannten Funnel-Baukasten der Branche. Direkt auf der Startseite wartet ein „Rechner“, bei dem man sein Startgewicht einstellt und prompt ein verlockendes Ergebnis präsentiert bekommt – bei 95 Kilo etwa „Dein Ergebnis könnte sein: -20 kg“. Solche Zahlenspiele wecken Erwartungen, die individuell niemand garantieren kann, und dienen einzig dazu, den „Jetzt BMI prüfen“-Button attraktiver zu machen.
Dazu kommen Countdown-Rhetorik („Nur für kurze Zeit“), Streichpreise und ein goldenes Siegel, wonach 94 Prozent der eigenen Patienten Voy zum „besten Abnehmprogramm“ gewählt hätten – eine Eigenbefragung ohne nachvollziehbare Methodik. Die Bedienung selbst ist top, das Drumherum aber klar auf maximalen Abschlussdruck optimiert. Mehr als 3 Sterne sind da nicht drin.
Preise und Transparenz
2 von 5
Der Einstieg klingt fair. 172 Euro statt durchgestrichener 247 Euro für den ersten Monat, beworben als zeitlich begrenzter „Start-Bonus“. Was danach kommt, steht deutlich kleiner geschrieben – denn Voy läuft als Abo, dessen Preis mit jeder Dosiserhöhung steigt. Genau das gehört bei GLP-1-Behandlungen zum Therapieschema dazu: Die Dosis wird schrittweise gesteigert, und mit ihr klettert bei Voy der Monatspreis. In Großbritannien reicht die Voy-Preisspanne von umgerechnet gut 100 Euro für die Einstiegsdosis bis weit über 250 Euro für die Höchstdosis. Aus dem verlockenden 172-Euro-Start wird über die Monate also schnell ein vierstelliger Gesamtbetrag.
Das eigentliche Ärgernis ist aber die groß beworbene „Verliere 10 % Deines Gewichts – oder Du bekommst Dein Geld zurück“-Garantie mit 180 Tagen Laufzeit. Klingt nach Sicherheit, hat es aber in sich.
Erstens greift die Garantie überhaupt erst, wenn man das Programm volle 180 Tage konsequent nutzt und durchbezahlt – wer nach zwei Wochen merkt, dass das Medikament bei ihm nicht anschlägt, bekommt keine Kulanz, sondern die Ansage, die Dosis anzupassen und weiterzuzahlen.
Zweitens erfolgt die Rückerstattung laut den ausführlichen Bedingungen nur anteilig, gestaffelt nach dem tatsächlich verlorenen Gewicht. In Erfahrungsberichten rechnen Kunden vor, dass sie nach mehreren tausend Euro Ausgaben am Ende vielleicht 200 bis 400 Euro zurückbekämen.
Ein Werbeversprechen, das nach Vollerstattung klingt und im Kleingedruckten zur Teilerstattung nach halbjähriger Zahlpflicht schrumpft, ist für uns keine Garantie – das ist ein Kundenbindungsinstrument im Garantie-Kostüm. Dazu passt, dass die britische Arzneimittelbehörde MHRA Ende 2025 eine Werbeanzeige der Voy-Muttergesellschaft offiziell als regelwidrig eingestuft hat, unter anderem wegen irreführender Preisangaben. Mehr als 2 Sterne sind hier beim besten Willen nicht zu vergeben.
Kundenservice
1 von 5
Beim Kundenservice reiht sich Voy nahtlos in die Negativserie der modernen Abnehm-Anbieter ein. Eine echte Telefonnummer gibt es nicht – Kontakt läuft ausschließlich über E-Mail und ein Ticketsystem, versprochen wird eine Antwort innerhalb von 24 Stunden. Die im Netz kursierende „Supporthotline“ gehört laut Kundenberichten in Wahrheit zu einem anderen Unternehmen derselben Firmengruppe, und das beworbene Notfalltelefon ist nach Kundenaussagen nicht besetzt – man kann lediglich eine Nachricht hinterlassen.
Die Erfahrungsberichte zeichnen ein ernüchterndes Bild. Kunden berichten von Nachrichten, die kommentarlos auf „erledigt“ gesetzt werden, von einem monotonen KI-Assistenten statt persönlicher Betreuung, von tagelangem Warten auf Antworten und von Standardfragen-Filtern, bei denen individuelle Anliegen schlicht ignoriert werden.
Richtig kritisch wird das bei einem kühlpflichtigen Medikament. Mehrfach schildern Kunden verspätete Lieferungen, ungekühlt angekommene Ware nach dem Wochenende, warme Kühlakkus – und einen Support, der darauf verzögert oder gar nicht reagiert. Ein Kunde berichtet, dass nach einer lieferbedingten Zwangspause die Dosis wieder auf die niedrigere Stufe zurückgesetzt werden sollte, ohne Entschuldigung und ohne Erstattung – der teuer bezahlte Fortschritt war dahin. Wer ein Medikament im Abo für steigende Monatspreise verkauft, muss im Problemfall erreichbar sein. Ist Voy nicht. 1 Stern.
Sortiment
3 von 5
Beim Sortiment macht Voy vieles besser als die direkte Konkurrenz. Die Medikamente werden offen beim Namen genannt – im Programm sind die bekannten Abnehmspritzen Wegovy (Semaglutid) und Mounjaro (Tirzepatid), dazu bietet Voy separat auch Orlistat und rezeptfreie Präparate an. Kein Rätselraten um anonyme „Optionen“, keine versteckten Wirkstoffe – das verdient ausdrücklich Lob und hebt Voy von Juniper und Goodweigh ab.
Die Behandlung selbst kommt als Komplettpaket aus Medikament, ärztlicher Chat-Begleitung, App mit Tracking-Funktionen und Coaching-Inhalten. Wer ein Rundum-Programm sucht, bekommt hier tatsächlich eines geliefert.
Der Haken bleibt das Zwangs-Paket. Das Medikament gibt es nur im Abo-Programm mit allen Zusatzleistungen – ob man das Coaching will oder nicht, bezahlt wird es mit. Eine schlanke Einmalbestellung des reinen Medikaments, wie sie transparente Anbieter ermöglichen, existiert bei Voy nicht. Deshalb bleiben trotz der lobenswerten Offenheit nur 3 Sterne.
Erfahrungsberichte
3 von 5
Auf dem Papier glänzt Voy. 4,7 von 5 Sternen bei rund 4.700 Trustpilot-Bewertungen für Voy Deutschland – der Anbieter bewirbt sich damit selbst als „Deutschlands Nr. 1 fürs Abnehmen auf Trustpilot“. Die positiven Stimmen loben schnelle Lieferungen, verständliche Anleitungen, spürbar weniger Heißhunger und erste Abnehmerfolge schon nach wenigen Wochen. Das ist real und soll nicht kleingeredet werden.
Zur Einordnung gehört aber dreierlei. Das Profil wurde erst im Dezember 2025 beansprucht, läuft über ein kostenpflichtiges Trustpilot-Abonnement, und ein erheblicher Teil der Bewertungen entsteht „Auf Einladung“ – das Unternehmen fordert seine Kunden also aktiv zur Bewertung auf. Solche Profile wachsen naturgemäß schneller und positiver als organisch entstandene.
Die kritischen Bewertungen haben es in sich, denn sie wiederholen exakt dieselben Muster. Die Geld-zurück-Garantie mit „extremen Bedingungen“, die im Ernstfall keine oder nur eine anteilige Erstattung bringt. Der Kundenservice, der spät, gar nicht oder an der Frage vorbei antwortet. Verspätete oder ungekühlte Lieferungen eines temperaturkritischen Medikaments. Und die mit jeder Dosis steigenden Preise, die den günstigen Einstieg schnell relativieren. Ein Kunde bringt es auf den Punkt – das Medikament sei großartig, aber der Service unterirdisch, und den Wirkstoff gebe es bei anderen Anbietern identisch. Genau deshalb gibt es hier nur 3 Sterne.
Meinung und Bewertung
2 von 5
Voy ist für uns der professionellste Vertreter des Abo-Abnehm-Modells – und genau das macht die Sache so zwiespältig. Die Struktur stimmt. Regulierte britische Mutter, bekannter Berliner Betreiber, registrierte Versandapotheke, offen benannte Originalmedikamente und ein echtes, starkes Bewertungsprofil. Wer das Programm durchzieht und keine Probleme hat, wird hier ordentlich versorgt.
Aber das Geschäftsmodell trägt dieselbe DNA wie bei Juniper und Goodweigh, nur eleganter verpackt. Ein Rechner, der Wunschgewichte verspricht. Streichpreise und Countdown-Marketing. Ein Abo, dessen Kosten mit jeder Dosisstufe steigen. Und als Krönung eine Garantie, die im Werbebanner nach Sicherheit klingt und im Kleingedruckten zur Halbjahres-Zahlpflicht mit Teilerstattung wird. Dass die britische Arzneimittelbehörde dem Mutterkonzern bereits irreführende Werbung attestiert hat, rundet das Bild ab. Auch die beworbene „klinische Studie“ mit dem Imperial College London ist bei genauem Hinsehen eine noch nicht abschließend begutachtete Auswertung eigener Nutzerdaten – kein unabhängiger Wirksamkeitsbeweis für das Programm.
Unterm Strich bleibt ein Anbieter, der medizinisch solide arbeitet, dessen Marketing wir aber niemandem unkommentiert empfehlen können – und dessen Kundenservice der hohen Preisklasse nicht ansatzweise gerecht wird. Deshalb 2 von 5 Sternen.
Vorteile und Nachteile
Was finden wir gut?
Was finden wir schlecht?
Alternativen
Das Gute vorweg – die Medikamente, die Voy im teuren Programmpaket verkauft, bekommst du auch ohne Abo, ohne Garantie-Klauseln und ohne Coaching-Zwang.
Bei euroClinix, seit über 20 Jahren am Markt, wählst du Wegovy oder Mounjaro direkt aus, siehst jede Dosisstufe mit festem Endpreis vor der Bestellung und bezahlst einmalig – nachbestellt wird nur, wenn du es willst. Dazu gibt es einen telefonisch erreichbaren Kundenservice, also genau das, was bei Voy schmerzlich fehlt. Auch DoktorABC bietet Abnehmspritzen transparent zur gezielten Einzelbestellung an, mit Präparat, Dosierung und Preis im Vorfeld.
Abnehm-Tabletten anstatt Spritzen
Beide Alternativen führen zudem Abnehm-Tabletten mit demselben Wirkstoff wie in den Spritzen. Wer keine Injektionen mag, startet die Behandlung dort einfach in Tablettenform – ebenfalls per Einmalbestellung. Diese freie Wahl zwischen Darreichungsformen, Präparaten und Dosierungen gibt es im starren Voy-Programm nicht.
Zusammenfassung
Voy ist der Abnehmspritzen-Anbieter mit dem seriösesten Unterbau im deutschen Markt – britische Telemedizin-Mutter, FormelSkin aus Berlin als Betreiber, registrierte Versandapotheke und offen benannte Originalmedikamente wie Wegovy und Mounjaro. Die 4,7 Trustpilot-Sterne sind echt, und viele Kunden nehmen mit dem Programm erfolgreich ab.
Trotzdem können wir nur 2 von 5 Sternen vergeben. Die prominente „Abnehmen oder Geld zurück“-Garantie entpuppt sich im Kleingedruckten als 180-tägige Zahlpflicht mit lediglich anteiliger Erstattung, die Abo-Kosten steigen mit jeder Dosisstufe deutlich über den Lockpreis von 172 Euro hinaus, der Kundenservice ist telefonisch nicht erreichbar und patzt ausgerechnet bei der Kühlketten-Logistik. Wer die Behandlung möchte, bekommt dieselben Medikamente bei euroClinix oder DoktorABC transparent, einmalig und mit erreichbarem Support – ohne Garantie-Theater und ohne Abo-Fessel.
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