MedExpress
MedExpress kommt aus Großbritannien und tritt mit großen Zahlen auf – über 1,5 Millionen betreute Kunden seit 2013, dazu ein Trustpilot-Score von 4,7. Auf dem Papier klingt das nach einem etablierten Profi für Fernbehandlungen.
Beim genauen Hinsehen zerfällt der Eindruck schnell. Das Angebot besteht aus gerade mal zwei Behandlungen, und ausgerechnet beim Hauptprodukt funktioniert der Bestellprozess nicht.
Im Artikel nennen wir dir unsere Meinung, fassen die Erfahrungsberichte über MedExpress zusammen – inklusive einiger Berichte, die es in sich haben – und zeigen dir passende Alternativen.
Wir von MediPalast wurden im Jahr 2008 als Kundenservice für Versandapotheken gegründet. (Geschichte lesen)
Wir waren selbst ein Online-Rezept-Service-Anbieter und haben Patienten über das Internet mit Ärzten und Apotheken verbunden. Deshalb kennen wir den Markt seit über 20 Jahren wie unsere Westentasche. Seit 2017 empfehlen wir passende Online-Rezept-Anbieter für das jeweilige Medikament. Wir erkennen seriöse Anbieter und warnen dich vor Lockangeboten, Abo-Fallen und unseriösem Auftreten.
- Aktualisiert: 21. Juli 2026
- Autor: Martin Wesseling
Hintergrund
Betreiber ist die Medexpress Pharma EU Ltd mit Sitz in Dublin, gegründet im Dezember 2024 als europäischer Ableger der britischen MedExpress-Marke, die seit 2013 existiert. Positiv fällt auf, dass Geschäftsführung und ärztliche Leitung namentlich genannt werden – das trauen sich längst nicht alle Anbieter. Weniger vertrauenerweckend ist, dass ausgerechnet im Impressum „Medinizinischer Beirat“ mit Tippfehler steht.
Bei der Apotheke wird es widersprüchlich. Auf der Über-uns-Seite spricht MedExpress von einer „hauseigenen“ Versandapotheke und nennt die Apotheek Blauwe B.V. im niederländischen Emmen. Im offiziellen niederländischen Behördenregister ist für medexpress.de dagegen die Apotheek Bad Nieuweschans B.V. eingetragen – jene Versandapotheke, die auch DoktorABC, GoSpring und weitere Portale beliefert. Von „hauseigen“ kann bei der Sammel-Apotheke der halben Branche keine Rede sein. Immerhin sind beide Apotheken offiziell registriert und behördlich reguliert.
Design und Bedienung
Hier leistet sich MedExpress einen Totalausfall. Wer als Neukunde eine Abnehmbehandlung starten will – also das beworbene Hauptprodukt –, klickt ins Leere oder landet auf einer Fehlerseite mit dem Hinweis, es gebe ein Problem beim Laden der Beratung. Ein Anbieter, bei dem Neukunden das Hauptprodukt nicht bestellen können, hat ein ernstes Problem.
Der Fragebogen für Erektionsstörungen funktioniert zwar, beginnt aber mit reiner Selbstbestätigung per Checkbox – du bestätigst deine Beschwerden selbst und klickst „Ja. Alle Aussagen treffen zu“. Das ist der bequemste Weg zur Verschreibung, aber sicher nicht der gründlichste.
Dazu kommt durchgehend holpriges Deutsch. Überschriften wie „Ihre Beratung anfangen“ verraten, dass hier britische Texte maschinell eingedeutscht wurden. Bei einem Anbieter, der medizinische Fragebögen auswertet, ist sprachliche Sorgfalt keine Nebensache.
Der Neukunden-Bestellprozess für Abnehmbehandlungen führt auf eine Fehlerseite, der Fragebogen setzt auf Selbstbestätigung per Häkchen, und die deutschen Texte klingen nach automatischer Übersetzung. So sieht kein sorgfältig betriebenes Gesundheitsportal aus.
Preise und Transparenz
In der Google-Werbung lockt MedExpress mit „Abnehmen ab 172,73 €“. Auf der Seite selbst suchst du eine Preisübersicht vergeblich. Keine Medikamentenauswahl, keine Marken, keine Dosierungen, keine Preisliste – was dich die Behandlung konkret kostet, erfährst du erst irgendwo tief im Fragebogen. Beim Abnehmen kommst du wegen des kaputten Bestellprozesses nicht einmal dorthin.
Ein „Ab“-Preis ohne sichtbares Angebot dahinter ist keine Transparenz, sondern ein Lockangebot.
Aus den Bewertungen kommt ein weiterer Ärgerpunkt. Ein Kunde berichtet, dass er nach vier erfolgreichen Wochen regulär die nächsthöhere Dosierung bestellen wollte – und stattdessen die Ansage bekam, er müsse erneut die niedrigere kaufen. Er wertet das als gezielten Versuch, Kunden zusätzliche Bestellungen aufzudrängen. Bei Reklamationen sollen Rücksendekosten zudem am Kunden hängen bleiben.
Bei seriösen Anbietern siehst du vor dem Fragebogen jedes Medikament mit Dosierung und endgültigem Endpreis.
Kundenservice
Der Kontakt läuft in der Praxis über „Meddi“, einen KI-Chatbot. Einen direkten Draht zu einem Menschen gibt es kaum – die im Impressum genannte 0800-Nummer beschreibt ein Kunde in seiner Bewertung als nicht funktionierend. Wer ein echtes Problem hat, etwa eine falsche Lieferadresse oder ein defektes Kühlpaket, redet erst mal mit einem Roboter.
Die Bewertungen zeichnen ein zwiespältiges Bild. Auf Trustpilot antwortet das Team zwar fleißig und höflich auf jede Kritik. Gleichzeitig berichten Kunden, dass Stornierungen und Rückerstattungen erst nach mehrmaliger Androhung rechtlicher Schritte erfolgten, dass E-Mails automatisiert wirkten und Foto-Verifizierungen in endlosen Schleifen endeten. Freundliche Textbausteine ersetzen keinen funktionierenden Support.
Sortiment
Das Menü ist schnell erzählt. Es gibt Abnehmen und erektile Dysfunktion – das war es. Zwei Behandlungskategorien sind der Minusrekord unter allen von uns getesteten Anbietern. Wer irgendetwas anderes sucht, von Haarausfall über Verhütung bis Asthma, ist hier komplett falsch.
Zum Vergleich: DoktorABC als Maßstab bietet ein Vielfaches an Kategorien, von Hautproblemen bis Migräne. Selbst kleinere Portale decken üblicherweise fünf bis zehn Behandlungsfelder ab. MedExpress hat sich auf die zwei lukrativsten Themen beschränkt – mehr Verkaufsstrategie als Versorgungsangebot.
Erfahrungsberichte
Auf den ersten Blick glänzt MedExpress mit rund 4,7 Sternen auf Trustpilot. Beim genauen Hinsehen relativiert sich das: Ein Großteil der Lobeshymnen trägt das Label „Auf Einladung“ – zufriedene Kunden werden also aktiv zur Bewertung eingeladen. Die kritischen Berichte kommen dagegen meist ohne Einladung, und sie haben Gewicht.
Mehrere Kunden schildern Probleme mit der Kühlkette bei Abnehmspritzen. In einem Fall war die Bestellung fünf Tage unterwegs, die Kühlakkus kamen warm an – bei einem Medikament, dessen Temperaturgrenzen klar definiert sind. Der Kundenservice soll das als unproblematisch abgetan und den Rückversand dem Kunden aufgebürdet haben. Ein anderer Kunde erhielt einen nassen Pen mit ausgelaufenem Kühlpaket und spricht offen von Betrug.
Dazu kommen Berichte wie „3 mal bestellt, einmal bekommen“, 400 Euro ohne Lieferung, und der Fall eines 74-Jährigen, dem nach der bezahlten Erstbestellung die Fortsetzung der Behandlung verweigert wurde – kassiert wurde trotzdem. In unabhängigen Foren und auf Reddit findet zum deutschen Ableger bislang kaum Diskussion statt.
Mehrere Kunden berichten von Kühlketten-Problemen bei Abnehmspritzen – warme Kühlakkus nach tagelangem Versand, ausgelaufene Kühlpakete, Rückversand auf eigene Kosten. Bei temperaturempfindlichen Medikamenten wie GLP-1-Spritzen ist eine intakte Kühlkette keine Serviceleistung, sondern Voraussetzung dafür, dass das Medikament überhaupt wirkt.
Meinung und Bewertung
MedExpress ist kein anonymer Briefkasten-Anbieter – die britische Marke existiert seit Jahren, die Verantwortlichen stehen mit Namen im Impressum, und die Versandapotheken sind behördlich registriert. Das Fundament wäre da. Die Umsetzung in Deutschland ist trotzdem mangelhaft.
Ein kaputter Bestellprozess beim Hauptprodukt, ein Zwei-Kategorien-Sortiment, keine sichtbaren Preise, ein KI-Bot als Kundenservice und ernste Berichte über Kühlketten-Versagen ergeben zusammen ein Portal, das wirkt wie ein hastig übersetzter Ableger ohne Liebe zum deutschen Markt. Die Medikamente selbst sind dabei nicht das Problem – Abnehmspritzen und Potenzmittel bekommst du auch bei Anbietern, die ihre Prozesse im Griff haben. Zwei von fünf Sternen, und die gibt es vor allem für die transparente Firmenstruktur.
Vorteile und Nachteile
- Namentlich genannte Geschäftsführung und Ärzte
- Etablierte britische Muttermarke
- Behördlich registrierte Versandapotheken
- Aktive Antworten auf Kundenbewertungen
- Bestellprozess für Neukunden beim Abnehmen zeitweise defekt
- Nur zwei Behandlungskategorien
- Keine sichtbaren Preise, Marken oder Dosierungen
- Berichte über Kühlketten-Probleme bei Abnehmspritzen
- KI-Chatbot statt erreichbarem Kundenservice
- Stornos laut Berichten erst nach Androhung rechtlicher Schritte
- Widersprüchliche Apotheken-Angaben
- Holpriges übersetztes Deutsch bis ins Impressum
Alternativen
Bei beiden Themen, die MedExpress anbietet, gibt es klar bessere Adressen – und für alles darüber hinaus sowieso.
Für Abnehmbehandlungen und generell die größte Auswahl an Behandlungskategorien ist DoktorABC die stärkere Wahl. Dort siehst du dein Medikament samt Dosierung vor der Bestellung, der Bestellprozess funktioniert, und das Sortiment reicht weit über zwei Kategorien hinaus. Für Lifestyle-Medikamente wie Potenzmittel ist euroClinix klar besser – seit über 20 Jahren am Markt, sauber, sicher und transparent, mit endgültigen Endpreisen ohne Überraschungen.
Brauchst du dagegen eine Nischen-Behandlung, etwa starke Schmerzmittel oder eine Narkolepsie-Behandlung mit Modafinil, führt an Ferndiagnose.org kein Weg vorbei – solche Themen bietet MedExpress ohnehin nicht an.
Zusammenfassung
MedExpress bringt eine etablierte britische Marke und transparente Firmenangaben mit, scheitert in Deutschland aber an der Umsetzung. Ein defekter Neukunden-Prozess beim Hauptprodukt, nur zwei Behandlungen, unsichtbare Preise und beunruhigende Berichte über Kühlketten-Probleme bei Abnehmspritzen lassen sich nicht durch einen guten Trustpilot-Score wegpolieren, der zu großen Teilen auf eingeladenen Bewertungen beruht.
Grundsätzlich vertrauen kannst du dem Unternehmen dahinter eher als manch anonymem Portal – nutzen musst du es deshalb noch lange nicht. Für Abnehmen bist du bei DoktorABC besser aufgehoben, für Potenzmittel bei euroClinix.
Datum: 21. Juli 2026 Inhaltliche Erstellung: Martin WesselingFachliche Überprüfung: Klaus Brahm